Vom Welpen zum Senior

Reise durchs Hundeleben

4. Welpen auf dem Weg ins Leben

In der Regel kommen die Welpen, die von Züchtern abgegeben werden, in eine, Alter von 8-12 Wochen zu ihren zukünftigen Besitzern. Dieses Zeitfenster sollte, wenn möglich, weder unter- noch überschritten werden. Persönlich rate ich zu einem Abgabezeitpakt von nicht unter der zehnten Lebenswochen.

Wie bereits erwähnt, hat der Welpe, der bei Ihnen einzieht, bereits eine ganze Reihe von Erfahrungen gemacht. Am wichtigsten ist natürlich erst einmal die Hundemama. Wo kommt sie her? Wie ist ihre Persönlichkeit? In welcher Umgebung und vor allem unter welchen Umweltbedingungen hat sie die Zeit ihrer Trächtigkeit verbracht= Es ist ein Unterschied, ob sie, mit qualitativ hochwertigem Futter ernährt, in der Obhut sozial kommender Hundehalter in einem Zuhause mit ausreichender Pflege ihren Trächtigkeitsmonate verbringt oder täglich um die wenigen Abfälle mit anderen konkurrierend, auf den Straße von Bukarest versucht, hochtragend zu überleben.

Was man bei anderen Tierarten schon seit den 1950er-Jahren weiß, nämlich dass Ratten von Rattenmüttern, die in der Trächtigkeit Stress ausgesetzt waren, auch als Erwachsene ängstlicher und weniger stressresistent sind, ist inzwischen auch beim Hund nachgewiesen: Die Verhaltensentwicklung beginnt bereits im Mutterleib und hängt davon ab, welche Einflüsse die Hündin in der Zeit der Trächtigkeit erfährt. Dauerstress bei der Hundemama führt bereits in der Gebärmutter zu Veränderung um Gehirn der Welpen. Jungtiere aus solchen Gegebenheiten kommen unsicher und mit weniger gut ausgebildeten Kompetenzen zur Welt, die entwickeln keine so guten Stressbewältigungsstrategien, ihre Lern- und Bindungsfähigkeit ist eingeschränkt, und auf Außenreize reagieren sie oft unpassend, also entweder mit Ängstlichkeit und Rückzug oder mit unangemessener Aggressivität. Sie haben somit denkbar ungünstige Startbedingungen, die man nur mit viel Mühe, manchmal auch gar nicht, in richtige Bahnen lenken kann.

Die vorgeburtliche Stresshormon-Flut hat auch andere Auswirkungen: zum einen sind die Welpen weniger widerstandsfähig gegen Infobuntion, weil Kortisol das Immunsystem unterdrückt. Zum anderen senkt es bei der Mutterhündin den Spiegel des Schwangerschaftshormons Progesteron, das für die Aufrechterhaltung einer Trächtigkeit notwendig ist. Die Folge ist, dass die Welpen im Mutterleib schlechter versorgt werden.

Oft nimmt man sehr viel Druck aus einem Mensch-Hund-Team, wenn man die Charaktereigenschaften eines Hundes akzeptiert - ohne sie als Ausrede zu verwenden!

Die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Erst als Andra zu uns stieß und meine Aufmerksamkeit und Energie dem Beagle folgte, der das Buch mit der Rassenbeschreibung und vor allem das Kapitel über das Jagdverhalten des Beagles ausgiebig gelesen hatte, und Gües plötzlich nicht mehr um Fokus stand, machten wir Fortschritte. Sie durfte auf einmal so sein, wie sie nun mal war, und dass bewirkte Entspannung. Entspannung, die uns beiden guttat. Und ich sah, dass dieser Hund eben nicht nur aus Problemen bestand, sondern viele wunderbare Eigenschaften hatte.

Außerdem kommt es bis zur sechsten Lebenswoche immer noch zu Zellteilungen im Hundehirn. Danach ist allerdings Schluss damit, ab dann werden nur noch bestehenden Nervenzellen weiter vernetzt und die Vernetzungen werden stabilisiert. Nur Verknüpfungen, die benötigt werden, bleiben auch vorhanden. Alles was nicht benötigt wird, weil die Reize fehlen, die es als Stimulus dafür braucht, wird in der Pubertät unwiderruflich abgebaut. Je mehr Umwelteindrücke der Hund also erfährt, desto mehr stabile Verknüpfungen entstehen und desto leistungsfähiger sind nachher der Hund, sein Gehirn und sein Organismus. Hunde, die in dieser Phase die für sie und ihre Umwelt richtigen und wichtigen Reize präsentiert bekommen, können sich ihr Hundeleben lang besser auf Stress und wechselnde Lebensbedingungen einstellen. Zu diesen Reizen gehören zum Beispiel der Lebensraum, Artgenossen, Menschen, Geräusche, Futter und vieles mehr. Die Qualität und die Quantität, der erfahren Umwelteindrücke bilden dann quasi ein Referenzsystem aus, das bei allen später Entscheidungen herangezogen wird. Positive Lernerfahrungen, die besonders in dieser Zeitspanne enorm wichtig sind, vermitteln dem Welpen ein Gefühl von emotionaler Sicherheit und Kontrolle über die an ihn gestellten Anforderungen und stärken dadurch sein Selbstvertrauen. Darum sollte der Hund gerade in dieser Zeit so viel positive Erfahrungen wie möglich machen, um das Risiko von eventuell später auftretendem unangemessenem Meideverhalten in alltäglichen Situation so gering wie möglich zu halten. Alles in dieser Zeit als negativ Abgespeicherte kann weitreichende Folgen für das spätere Verhalten des Hundes haben! Passen Sie also gut auf ihr Hündchen auf, und tragen Sie dafür Sorge, dass es keine negativen Erfahrungen macht, die es nicht bewältigen kann.

Fordern, aber nicht überfordern! Für Sie als Halter ist es wichtig, dass Die den Welpen zwar früh fördern und fordern, ihn aber keinesfalls überfordern!

Lassen Sie den Welpen das Tempo bestimmen, mit dem er neue Reize aufsuchen möchte. Bieten Sie ihm verschiedene Geräusche, Dinge, Menschen, Bodenuntergründe, Futtersorten und Ähnliches an, aber überlassen Sie ihm die Geschwindigkeit der Kontaktaufnahme, er wird das für ihn richtige Tempo finden!

Ein wichtiges Thema für die gesamte Lebensreise und die Harmonie in der Reisegruppe ist der Umgang mit Frust.

Die konsequente Umsetzung des eben gelesenen nach dem Vorbild der Natur bedeutet in der Praxis, dass man den Welpen nicht jedes Mal bis zur vollständigen Sättigung füttert (aber natürlich soll er nicht hunger!), dass man auch Mal ein paar Minuten verstreichen lässt, bis der gefüllte Napf zur Verfügung steht, dass man situativ auch mal eine Spielaufforderung des Welpen ausschlägt (und später annimmt), und dass man für ausreichend Ruhephasen sorgt.

5. Die Pubertät des Hundes

Grob lässt sich aber sagen, dass die Pubertät nur einige Monate dauert. In der Pubertät hebt der Rüde das erste Mal das Bein und die Hündin wird das erste Mal läufig. Die sich anschließende Adoleszenz kann sich rassenabhängig über mehrere Jahre ziehen.

Während der Pubertät erreichen die Jungspunde ihre Geschlechtsreife. Diese tritt bei den meisten domestizierten Tieren (wie auch bei uns Menschen) relativ früh ein, was aber nicht bedeutet, dass das Individuum nun eine geistige und emotional Reife erlangt hat.

Als grober Richtwert gilt, dass Hündinnen frühestens nach dem vollständigen Durchlauf der dritten Läufigkeit, einschließlich nachfolgender Scheinschwangerschaft und Scheinmutterschaft, als erwachsen anzusehen sind. Die Entwicklungsgeschwindigkeit des Rüden unterscheidet sich kaum von der einer Hündin.

Alles wird jetzt in Frage gestellt und erneut auf Brauchbarkeit überprüft. Was gestern galt, muss heute schon längst nicht mehr gelten.

Fehlen Erfahrungen, so fehlen auch die zugehörigen Verknüpfungen und daraus resultierend auch die Fähigkeit, mit schwierigen Situation umzugehen. Dann bleiben einem Hund nur noch die Bewältigungsstrategien Angriff, Flucht oder Erstarrung, ohne jedwede alternative Strategien, um Konflikte zu vermeiden.

Impulskontrolle und Risikoabschätzung sind also nicht unbedingt die Stärke pubertierender Junghunde.

Das bedeutet, dass Reaktionen emotionaler ausfallen und ist leider auch ein guter Nährboden für Aggression. Der Canis puberturs testet also seine Ganzen aus und ist auch in Auseinandersetzungen risikobereiter. Empathie wird zum Fremdwort.

Hingegen steigt die Wirksamkeit des Dopamins im vorderen Stirnhirn an. Dadurch werden dann auch rationale Problemlösungen und gelöste Lernaufgaben stärker positiv bewertet, und entsprechend werden ohne die positiven und belohnenden Wirkungen des Dopamins im limbischen System emotionale und unüberlegte Handlungen weniger häufig auftreten.

Die Adoleszenz (abgeleitet vom lateinischen adolescere = heranwachsen) ist das Übergangsstadium in der Entwicklung von der Kindheit hin zum Erwachsensein und stellt den Zeitabschnitt dar, in dem ein Mensch oder ein Tier zwar biologisch gesehen zeugungsfähig und körperlich so gut wie ausgewachsen, aber emotional und sozial noch nicht vollends gereift ist.

Bei großen Rassen oder deren Mischlingen können durchaus auch drei bis vier Jahre ins Land ziehen, bis die Adoleszenz abgeschlossen ist. Aber nicht nur die Größe spielt hier ein Rolle, sondern auch das Geschlecht. Nicht nur bei Männern, sondern auch bei Rüden dauert es etwas länger […].

Im Verhalten bedeutet das, dass der Hund auf einmal völlig ändere Prioritäten setzt, als noch vor ein paar Wochen. Ihr eben noch anhänglicher Hundewelpe wird selbständiger, und durch die veränderte Dichte an Bindungsstellen bzw. die veränderte Empfindlichkeit für Dopamin in dieser Zeitspanne, kommt es in bestimmten Hirnarealen zu einem leichter erregbaren “internen Belohnungssystem” und infolgedessen zu einem gesteigerten Explorations-, also Erkundungsverhalten. Selbst belohnendes Verhalten bekommt einen größeren Stellenwert, jeder Grashalm hat in den Augen Ihres Hundes phasenweise mehr zu bieten als Sie. Dem Hund fällt es schwer, dich von für ihn wichtigen und lohnenswerte Dingen zu trennen und sich statt dessen Ihnen zuzuwenden.

Denn die Kastration mag vordergründig helfen, die beendet die Pubertät. Aber wie weiter oben erwähnt, beendet sie zudem die Ausreifung des Gehirns und verhindert das Erwachsenwerden. Wer aber gemeinsam mit seinem Hund auch diesen Streckenabschnitt bewältigt, wird erleben, dass am Ende dieser Etappe ein erwachsener, souveräner Hund steht.

6. Mit dem erwachsenen Hund durch ruhiges Fahrwasser?

Wer in ein Land reist, bevor er einige Kenntnisse von dessen Sprache hat, der geht in die Schule und nicht etwa auf Reisen. ~ Francis Bacon

Sie kam zu mir und hielt mir vorwurfsvoll die Pfote hin. Während ich die Dorne entfernte, hatte ich Tränen der Rührung in den Augen. Und tatsächlich war das der Durchbruch. Ab diesem Tag war ich auch für die die sichere Basis, durfte mich um ihre Belangen kümmern und sie suchte much in für die problematischen Situationen auf, um Schutz zu suchen. Ab diesem Tag war alles einfacher.

Ohne die Sicherheit der Bindung an den Mensch hat ein Hund, egal wie groß, ständig eine Fluchttendenz und gerät schnell in einen Kreislauf aus Angst und Aggression. Nur eine sichere Bindung ermöglicht es dem Hund, sich positiv mit seiner belebten und unbelebten Umwelt auseinanderzusetzen.

Ein häufig gemachter Denkfehler in Bezug auf die Bindung ist, guten Gehorsam automatisch mit einer guten Bindung gleichzusetzen.

Deutlich erkennbare Merkmale von Spiel sind häufige Wiederholungen des Verhaltens, die freie Kombination von unterschiedlichsten Verhaltenselementen und auch das Fehlen der jeweiligen Endhandlung als Ziel des Verhaltens. So werden spielende Hunde in wilder und ungeordneter Reihenfolge Elemente des Kampfverhaltens, wir etwa Maulringen und Balgen, des beutefangverhaltens, also Beschleiche, Anspringen und Schütteln, des Sexualverhaltens und der sozialen Körperpflege durch Knabbern und Belecken in unvorhersehbarer Folge miteinander kombinieren. Ein weiteres Merkmal ist der sogenannte Rollenwechsel: der Jäger dreht sich also plötzlich um und wird zum Gejagten, der in der Balgerei oben Stehende lässt sich fallen und liegt plötzlich unten. Auch beim Beutefangspiel wird das Anschleichen und Anspringen wechselseitig gezeigt. Spiel ist also immer zwischen beiden Parteien ausgewogen. Und das ist ein ganz wichtiger Punkt! Liegt immer derselbe unten oder wird als Quitschie missbraucht, ist eigentlich schnell klar, dass es sich nicht mehr um Spiel, sondern um Mobbing handelt.

Was Spiel so beobachtenswert macht, sind die überschießenden und übertriebenen Bewegungen: Pfoten werden in die Luft geworfen, Köpfe um mehr als 180 Grad verdreht und es werden Sprünge gezeigt, bei denen nur beim bloßen Zuschauen der Atem stockt.

Dabei ist für die Bindung wenig so förderlich wie Spiel.

Play together, stay together.

Gelegentlicher Stress beflügelt Geist und Körper, Dauerstress hemmt und macht krank. Jede Art von freudiger Erwartungshaltung beim Hund ist positiver Stress. Wenn Sie also die Leine in die Hand nehmen oder das Futter zubereiten, entsteht Vorfreude und damit bereits Stress für den Hund. Auch bei der Arbeit mit dem Hund entsteht Stress, der Maßen sogar anregend wirkt.

Auch andere Hormone und Botenstoffe haben den Stresshormonen etwas entgegenzusetzen. Zum Beispiel das männliche Sexualhormon Testosteron: es wirkt angstlösend und macht selbstbewusst. Einen unsicheren und zu Stress neigenden Hund sollte man, sofern keine medizinische Notwendigkeit besteht, keinesfalls kastrieren. Denn nimmt man aus dem Gleichgewicht der Stress- und Sexualhormone das Testosteron heraus, hat das Stresshormon Cortisol freie Bahn - die Stressanfälligkeit wird sich verschlimmern.

Aggression ist ein Regulationsverhalten, das von einem Tier eingesetzt wird, um störende Reize aus seiner unmittelbaren Umgebung zu entfernen (John Archer). Wenn einem ein Artgenosse zu nahe kommt, wird so lange mimisch, aber auch akustisch Droh- oder Aggressionsverhalten gezeigt, bis dieser die gewünschte Individualdistanz wieder eingenommen hat. Aggressive Kommunikation und aggressives Verhalten dienen also der Wiederherstellung des individuellen Wohlfühlabstandes eines Hundes zum Gegenüber und haben erst mal nicht die Absicht, den Störungsreiz zu beschädigen.

Die gute Nachricht ist, dass alles, was gelernt wurde, auch wieder verlernt werden kann.

Etwas anderes als die klassische Konditionierung ist die Operante Konditionierung, das Lernen aus Konsequenzen. Hunde lernen ähnlich wie wir Menschen. Wir alle streben nach der Steigerung unseres Wohlbefindens und vermeiden Schmerz und Unbehagen. Wenn eine Verhaltensweise unangenehme Folgen für und hat, so werden wir sie in Zukunft seltener zeigen. Hat sie jedoch einen angenehmen Effekt, so werden wir sie häufiger zeigen. Das ist das Gesetz der Wirkung und der Grundsatz der operanten oder auch instrumentellen Konditionierung. Hunde bringen sowohl Belohnungen als auch Bestrafungen mit ihrem jeweiligen Verhalten in Verbindung, wenn sie direkt auf das gezeigte Verhalten folgen.

Wir motivieren den Hund, indem wir ihm etwas Positives zukommen lassen, wenn er etwas tut, was uns gefällt. Etwas Angenehmes wird also hinzugefügt, und je nach Hund kann das ein verbales Lob, ein streicheln, Futter, ein Lächeln oder auch ein Döner sein.

Bei der negativen Verstärkung soll ein Verhalten ebenfalls häufiger auftreten. Nicht nur der Erhalt von etwas Angenehmen kann ein Verhalten verstärken, sondern auch die Möglichkeit, etwas Unangenehmes loszuwerden. Wenn ein Welpe von seinen Geschwistern entfernt eingeschlafen ist, frierend und einsam erwacht, sucht er die Nähe zu seinen Wurfgeschwistern, legt sich zu ihnen und es wird ihm wieder warm. Wenn ihm das nächste Mal kalt ist oder er sich allein fühlt, wird er sich wieder an seine Geschwister kuscheln. Das Abstellen der (negativen) Kälte und der sozialen Isolation dient dabei als Verstärker.

Die sogenannte positive Bestrafung führt dazu, dass ein Verhalten seltener auftritt. Eine positive Bestrafung dient dem Erlernen einer Hemmung im Verhalten. Häufig handelt es sich um die Endhandlungen, die gehemmt werden. Ein gutes Beispiel dafür ist das Erlernen der Beißhemmung. Zwei Hunde spielen miteinander und beißen sich dabei spielerisch. Wenn einer der beiden zu stark zubeißt, wird sich der andere durch ein ebenso so starkes Zurückbeißen wehren. Derjenige, der zuerst zu stark zubiss, also Meier, wird lernen, dass das für ihn unangenehme Konsequenzen hat und wird in Zukunft »sanfter« spielen. Piccolo hat in diesem Fall Meiers robustes Auftreten positiv bestraft. Durch diese Lernerfahrung wird er aber keine Furcht vorm Spielen, vor Piccolo oder vor anderen Hunden entwickeln! Ein Meier sowieso nicht, aber das gilt in diesem Fall auch für »normale« Hunde. Das entspannte Kampfspiel geht oft direkt nach der kurzen Auseinandersetzung weiter oder wird später fortgesetzt. Die Bestrafung bezog sich ausschließlich auf das zu starke

Beißen und hemmt dadurch dieses Verhalten. Etwas Unangenehmes wird also hinzugefügt und der Hund kann es mit seinem »Vergehen« in Verbindung bringen. Das nennt man eine positive Bestrafung.

Auch die negative Bestrafung führt dazu, dass ein Verhalten seltener auftritt. Nehmen wir wieder Meier, den Canis grobmotoricus als Beispiel, nur dass diesmal meine Hand das »Opfer« ist. Als Konsequenz auf sein schmerzhaftes Verhalten drehe ich mich um, gehe weg und beende das Spiel. Dadurch entziehe ich ihm das Wichtigste, den für ihn essentiellen Lebenssaft, die Aufmerksamkeit. Diese Bestrafung durch Entzug des Angenehmen nennt man negative Bestrafung. In beiden Fällen wird das zu grobe Einsetzen der Zähne bestraft und in Zukunft seltener gezeigt werden. Bei der positiven Bestrafung sind es die unangenehmen Konsequenzen, die Meier in Zukunft hemmen werden, nochmals so grob zu spielen, denn Piccolo ist vehement. Bei der negativen Bestrafung hingegen ist es der Verlust des Spielpartners, der in dem Fall gleichbedeutend mit dem Verlust der Aufmerksamkeit ist. Dass Piccolo es schneller geschafft hat, sich Autorität zu verschaffen, muss ich wahrscheinlich nicht extra erwähnen …

Wie die Beispiele zeigen, gibt es zwei Formen der Verstärkung und zwei der Bestrafung. Die Unterscheidung ist durch die Wörter positiv und negative gekennzeichnet. Positiv heißt in diesem Zusammenhang einfach nur, dass einem verhalten ein Reiz folgt; die Bezeichnung negativ bedeutet hingegen, dass ein Reiz entfernt, weggenommen oder ganz vermieden wird, wenn sich ein bestimmtes Verhalten zeigt. Daraus ergeben sich sowohl die positive und negative Verstärkung, als auch die positive und negative Bestrafung.

Auch latentes Lernen findet bei unseren Hunden statt, und das ganz ohne erkennbaren Grund und ohne Motivation, also ohne Verstärker.

Außerdem gibt es kinästhetisches oder auch motorische Lernen.

Eine wichtige Rolle spielt das Lernen durch Nachahmung, auch Lernen an Modell genannt.

Das Lernen am Model ist Segen und Fluch zugleich, wie jeder Mehrhundehalter bestätigen kann.

Natürlich kann auch der Mensch als Model fungieren. Je häufiger ein Hund erfahren hat, dass sein Mensch ihm die Lösung eines Problems zeigten kann, der Hund sich also auf die Kenntnisse seines Menschen verlassen kann, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund diesem Verhalten Aufmerksamkeit schenkt und es imitiert.

7. Das Animationsprogramm

Ein Hund schläft normalerweise 50 % des Tages. Die anderen 50 % sind aber keinesfalls mit Action gefüllt, sondern werden zum Großteil mit dösen und schlafen verbracht. Das Sozialverhalten nimmt etwa sechs Stunden pro Tag ein, 15 % des Tages werde den Nahrungserwerb gewidmet.

Jeder Hund hat ein Hobby, man muss es nur finden. Das Hobby meiner Hunde ist das Hund-Sein. Und hier stehen speziell die Disziplinen wer buddelt das tiefste Mauseloch? […]

Früher musste meine Hunde hart für ihr Gehalt arbeiten, heute plädiere ich für das bedingungslose Grundeinkommen.

Auch bei Hunden plädiere ich dafür, den Erhaltungsbedarf, also ca. die Hälfte der Ration ohne die Einforderung einer Gengenleistung zur Verfügung zu stellen.

Trotzdem setzte ich Futter auch zur Beschäftigung ein: Die Ration gibt es nur selten aus dem Napf, meist verstreue ich das Futter im Garten und lasse die Hunde suchen.

Inzwischen weiß ich, dass Gefahrenabwehr Leittiersache ist, und versuche stets für meine Hunde ein verlässlicher Partner zu sein.